Nummer 25 Die Humorbrigade – Stellan Vinthagen über “Irene Community”, die gewaltfreien Prepper aus der schwedischen Wildnis und ihre Vorbereitungen auf die “fröhlichen Schlachten” der Zukunft

Vagabundenleben

Aufgrund des Corona-Chaos blieb ich die meiste Zeit der ersten Jahreshälfte 2020 in Schweden und war wegen des Lockdown gezwungen, mein regelmäßiges und intensives Reiseprogramm zu verschiedenen Gemeinschaften an vorderster Front abzusagen.

Nachdem ich meine Flüge nach Indien, Hawaii, Uganda, Island und in die Vereinigten Staaten abgesagt hatte, blieb ich einfach dort, wo ich durch mein Vagabundenleben just angekommen war.

Ich lebe regelmäßig für kürzere Zeiträume in meiner südschwedischen Heimat, um meine akademischen Kollegen von CSM-RESIST (Civil Society, Social Movement and Resistance Research) an der Universität Göteborg und der Nordic Nonviolence Study Group (NORNONS) zu besuchen. Wenn ich hier bin, wohne ich in einem rot gestrichenen Holzhaus aus dem frühen 20. Jahrhundert, weit draußen auf dem Land, umgeben von einem großen Wald ganz nah an einem 100 km langen See. Hier befindet sich die Irene-Community, im Bezirk Dalsland in Schweden, ganz in der Nähe der norwegischen Grenze. Irene befindet sich somit auf halbem Weg zwischen Oslo und Göteborg.

Akademische Aktivisten

Seit 2017 bin ich Mitglied dieser kleinen, informellen und wichtigen Gemeinschaft von sechs ungewöhnlichen Menschen mit ihren fünf Holzhäusern.
Wir alle arbeiten in irgendeiner Weise als akademische Aktivisten gegen Krieg, Imperialismus, Terrorismus und gewalttätige Strukturen in Gesellschaften.
Unser Schwerpunkt liegt dabei auf der Verbindung von Forschung, Bildung und Aktivismus. Wir pflegen ein großes internationales Netzwerk von Projekten. An diesem Standort ist der gleichnamige Buchverlag angesiedelt (Irene Publishing). Hier gibt es einer Schreib-Residenz, ausgestattet mit einer hervorragenden Bibliothek von etwa 20.000 Büchern über Widerstand, Aktivismus und Friedensforschung.

Die Community ist auch die Heimat unserer mittlerweile 14-jährigen Aktivisten- und Wissenschaftlergruppe NORNONS, die sich an zwei oder drei Wochenenden im Jahr trifft. Drei von uns arbeiten an der Herausgabe des Journal of Resistance Studies, der weltweit einzigen von Experten begutachteten wissenschaftlichen Zeitschrift zum Thema Widerstand.

Anarchistische Hühner

Zur Irene-Community gehören ferner ein großer Gemüsegarten, mehrere Gewächshäuser, eine Sägemühle und viele kleine separate Gebäude für Werkstätten, Gäste und Büros. Seit 2020 haben wir auch einen neuen Hühnerstall und eine Sauna am See gebaut, um die kalten, verschneiten Wintermonate zu genießen. Übrigens: Die Hühner in der Irene-Community sind alle nach berühmten Freiheitskämpferinnen benannt, wie Emma Goldman und Rosa Parks. Neuerdings verfügen wir über Hochgeschwindigkeits-Glasfaser und Wi-Fi in unseren Büros. 

Aktivisten und Wissenschaftler aus aller Welt besuchen unsere Residenz. Dazu zählen Studenten, die an einer Abschlussarbeit arbeiten müssen, Autoren, die versuchen, ein Buch fertig zu stellen, oder Aktivisten, die ihre Batterien wieder aufladen, nachdenken, lange Spaziergänge in der wunderschönen Natur machen und Bücher lesen möchten. Wir, die wir hier wohnen, und zeitweilige Gäste, essen regelmäßig gemeinsam zu Abend und diskutieren über Anarchismus, Pazifismus, die Weltrevolution und unsere Erfahrungen im Kampf in verschiedenen Teilen der Welt.

Oder wir sprechen über die aktuellen Pläne für den Gemüsegarten oder darüber, wie wir die lästigen Zecken im Wald vermeiden. Das ist möglich, wenn wir nicht von der liebenswerten und verspielten Hündin Liva unterbrochen werden, die versucht, alle Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, um uns in Spiele zu verwickeln, oder, wenn das nicht klappt, laut bellt, um uns vor einem (imaginären) Elch oder einem Nachbarn zu warnen, der am Haus vorbeikommt.

Da wir kaum Nachbarn haben und weit von einer Stadt entfernt sind, ist es sehr ruhig und wir haben einen fantastischen Nachthimmel mit einem sternenübersäten Kosmos. Wir pflegen eine enges Zusammensein mit regelmäßigen Kaffeepausen im Gewächshaus, mit praktischer Gartenarbeit, Hausbauprojekten oder Holzhacken.

Es ist ein wirklich schöner Ort, weit draußen in den tiefen, dunklen skandinavischen Wäldern aus immergrünen Kiefern, Fichten, Eschen, Espen, Haselnussbäumen, Ahorn und Birken. In diesem Teil der Welt leben angeblich Fabelwesen wie Elfen, Trolle und Tomtar https://www.tomtar.se/ Aber wir sehen hauptsächlich Rehe, Vögel, Hasen und gelegentlich Wildschweine oder Elche.

Nerds?

In der Irene-Community leben Majken, Jørgen, Asma, Björn und ab und zu Craig und ich. Und natürlich Liva, der Hund. Wir sind alle etwas seltsame Gestalten, ein freundlicher Haufen von sehr engagierte Leute, weit entfernt von dem, was man als normal bezeichnen könnte.
Vielleicht sogar eher als “Nerds“? Der normalste von uns ist sicherlich Liva.

Majken

Majken ist Professorin für Soziologie an der Universität Karlstad und promovierte in Australien über “humorvolle politische Stunts” , d. h. darüber, wie Widerstandsaktivisten Humor im Kampf einsetzen – Interessierte können es hier herunterladen.

Sie hat außerdem Bücher über den weiblichen Widerstand gegen die Wehrpflicht, Strategien gegen Repression und Friedensaktivismus veröffentlicht. Majken wurde in Dänemark geboren und ist mit Jørgen verheiratet, der gebürtiger Norweger ist. Majken gehört dem Internationalen Rat der War Resisters’ International https://wri-irg.org/en an, einem antimilitaristischen Netzwerk mit Sitz in London, dem jedoch Gruppen und Bewegungen in einem Drittel der Länder weltweit angeschlossen sind. 

Majken ist außerdem (zusammen mit Jørgen) an der Entwicklung des ersten Friedensprogramms für Gymnasien über gewaltfreie Konfliktlösung an einer Montessori-Schule (in der nahe gelegenen norwegischen Stadt Halden) beteiligt. Sie haben beide ein Lehrbuch für diesen recht radikalen Lehrplan geschrieben. Majken ist nicht nur eine versierte Hundetrainerin, sondern auch eine mutige Experimentatorin in der Küche, die uns immer wieder mit überraschenden indischen Gerichten beglückt.

Jørgen

Majkens Ehemann Jørgen ist ganz vieles: unter anderem ein legendärer norwegischer antimilitaristischer Aktivist und im Kampf für die Umwelt engagiert. Seit den 1970er Jahren hat er an zahllosen Aktionen des zivilen Ungehorsams teilgenommen. So ist er in ein Gefängnis eingebrochen oder hat sich in Verkleidung unrechtmässig auf einen Richterstuhl gesetzt, um über sich selbst ein hartes Urteil zu fällen.

Während des Kalten Krieges wurde er sogar der Spionage beschuldigt und entging vor dem Obersten Gerichtshof nur knapp einer langen Gefängnisstrafe. Das wurde zu einer großen politischen Geschichte in Norwegen, als die Friedenszeitschrift Ikkevold (übersetzt: Gewaltlosigkeit) vollständige Karten der gesamten Atomwaffeninfrastruktur veröffentlichte, die die Vereinigten Staaten und die NATO in Norwegen aufgebaut hatten. Sie hätten Norwegen im Krisenfall de facto zu einem vorrangigen Ziel für sowjetische Bombardierungen gemacht (was gegen alle Vereinbarungen verstieß und ohne dass die meisten Parlamentarier davon wussten). 

Jørgen ist ein akademischer Autodidakt – eine ziemliche Rarität mithin! Mit Stolz erklärt er, er habe nie einen Kurs an der Universität belegt, nicht einmal ein Buch ausgeliehen. Dennoch hat er mehr wissenschaftliche Zeitschriftenartikel und Bücher veröffentlicht als der durchschnittliche Professor.
Er hat Postgraduierten-Programme in Norwegen, Frankreich, Georgien und der Türkei initiiert und geleitet, um nur einige zu nennen, und er ist auch ein anerkannter Gastprofessor an zahlreichen Universitäten in der ganzen Welt. Jørgen hat eng mit einigen der international bekanntesten norwegischen Wissenschaftler zusammengearbeitet (z. B. Sigmund Kvaløy, Johan Galtung und Arne Næss).

Im Laufe seines Lebens hat er eine umfangreiche Bibliothek mit wissenschaftlichen Büchern zusammengetragen. Er behauptet, er habe zumindest in den meisten von ihnen gelesen, was ich so verstehe, dass er damit andeuten will, dass er nur selten ein Buch zu Ende liest. Das liegt wahrscheinlich daran, dass er mit so vielen praktischen Projekten beschäftigt ist.
Jørgen ist ein ehemaliger Schafzüchter und Müller und ein immer noch aktiver Schreiner und Bauunternehmer mit eigenem Sägewerk (was ihn bei unseren wenigen Nachbarn in der Gegend beliebt macht).
Derzeit ist er stellvertretender Herausgeber des Journal of Resistance Studies.

Jørgen verbringt die Hälfte des Tages mit Lesen, Schreiben, Nachrichten lesen, E-Mails verfassen. Die andere Hälfte mit praktischer Arbeit – mit dem Bau von Häusern oder dem Fällen von Bäumen in seinem “Outdoor-Fitnessstudio”. Eine ungewöhnliche Angewohnheit von Jørgen ist, dass er mit Kopfhörern schläft und die BBC-Nachrichten hört.

Asma

Asma stammt aus der nordafrikanischen indigenen Gemeinschaft der Amazigh (das Volk, das in kolonialer und abfälliger Weise “Berber” genannt wird). Sie wuchs in Libyen unter Qaddafi auf und engagierte sich schon früh für die Rechte der Frauen und arbeitete viel mit zivilgesellschaftlichen Organisationen im Land zusammen. Nachdem sie die Schrecken des Krieges miterlebt hatte, als sie in einem Krankenhaus Verwundete behandelte, konzentrierte sie sich mehr auf die Friedenskonsolidierung und gewaltfreie Konfliktbewältigung, insbesondere in Libyen, aber auch in der gesamten Region. Zusammen mit ihrem norwegischen Ehemann Bjørn belegte sie in Istanbul einen Masterstudiengang für Friedensstudien, an dem auch Jørgen teilnahm. Ziel war es, ihr Wissen darüber zu erweitern, wie sie sich effizienter für Frieden und Gerechtigkeit einsetzen kann. Sie kennt sich gut mit muslimischer Theologie aus und hat mich über muslimischen Feminismus unterrichtet.

Asma promoviert derzeit in Politikwissenschaft an der Universität Marburg zum Thema Frauen, Krieg und Frieden und arbeitet gleichzeitig für die UN und andere internationale Organisationen an verschiedenen Sicherheitsprogrammen in Libyen. Ihr besonderes Interesse gilt der Transformation bewaffneter und unbewaffneter Jugendlicher, die sie ermutigt, ihre Ziele nicht mit Gewalt zu erreichen, sondern sich stattdessen friedlich in der Zivilgesellschaft zu engagieren und gewaltfreie Mittel des Kampfes anzuwenden. Asma ist Trägerin des Luxemburger Friedenspreises und wurde 2017 von den Africa Youth Awards in die Liste der 100 einflussreichsten jungen Afrikanerinnen und Afrikaner aufgenommen.

Björn

Bjørn kommt aus Norwegen und hat sich sowohl auf lokaler als auch auf globaler Ebene politisch engagiert: als Hacker und Aktivist für integrativere und friedlichere Gemeinschaften und Menschenrechte. Er ist Überlebender des Terroranschlags der weißen Rassisten auf Utøya in Norwegen 2011, bei dem Anders Breivik 77 Menschen tötete.

Heute arbeitet er mit der UN und der EU an verschiedenen Programmen gegen “gewalttätigen Extremismus”, wie Extremely Together https://www.kofiannanfoundation.org/extremely-together/, ein Projekt der Kofi Annan Foundation.

Zusammen mit Asma ist er Mitbegründer des Khalifa Ihler Instituts, einer kleinen NGO, die sich in den Bereichen Friedensförderung, Forschung und Kapazitätsaufbau engagiert.

Unter anderem dokumentiert ihre “Hate Map” die Aktionen der globalen extremen Rechten, während die Activism Academy als Portal für diejenigen dient, die sich auf der Grundlage universeller Werte politisch engagieren wollen. Im Laufe der Jahre hat Bjørn wahrscheinlich mehr reformierte Extremisten getroffen als jeder andere. Er ist ein überzeugter Verfechter der Menschenrechte, auch für Menschen wie Breivik und andere Extremisten, und ist sowohl Mitglied des unabhängigen Beratungsausschusses des Globalen Internetforums zur Bekämpfung des Terrorismus – einer Supergruppe von Unternehmen wie Facebook, Twitter, Google und Microsoft, die gegen die Verbreitung von Hassreden und Terrorismuspropaganda auf ihren Plattformen vorgehen wollen – als auch der Internet-Techie der Irene-Community.

Craig

Craig kommt aus dem Großbritannien und promovierte über die gewaltlose Revolution in Tunesien, wo er auch seine Partnerin kennenlernte, die an einer Universität in Polen ihren Master in internationalen Beziehungen macht. Craig schloss seine Promotion an der Leeds Beckett University im Vereinigten Königreich ab und ist heute Mitglied des Fachbereichs Soziologie an der University of Massachusetts Amherst, wo er eng mit der dort ansässigen Resistance Studies Initiative zusammenarbeitet, z. B. als Herausgeber von Buchbesprechungen für das Journal of Resistance Studies.

Er arbeitet als Korrektor und Transkribent von akademischen Texten, sowohl als Freiberufler als auch über sein eigenes Unternehmen. Das bedeutet, dass er sich (wie ich) für einige Zeit in der Gemeinschaft und ansonsten im Ausland aufhalten kann, vor allem in Großbritannien und in Polen.

Craig hat ein weitgehend verborgenes Talent als Gitarrist, auch wenn ihm dafür im Moment nicht viel Zeit bleibt. Die Gitarre in unserem Haus (von Björn geliehen) wird meistens von mir benutzt, einem hoffnungslosen, aber beherzten Amateur.
Während Craigs Zeit in der Gemeinde arbeitet er fleißig daran, unsere Bibliothek nach einem ähnlichen System wie die Friedensbibliothek an der Universität Bradford zu organisieren und alles in einem digitalen Format zu katalogisieren. Dies wird es Forschern und Autoren ermöglichen, die von ihnen benötigte Literatur leicht zu finden, wenn sie hier in unserer Residenz arbeiten.

Die Irene-Residenz

Die Irene Residenz wird von Aktivisten, Akademikern und Autoren für kürzere oder längere Zeiträume besucht. Da wir über fünf Häuser und mehr als 20 Betten in Nebenräumen und kleineren Hütten verfügen, können wir sowohl Workshops abhalten als auch Langzeitbesucher empfangen.
Im Laufe der Jahre hatten wir Besucher aus dem Vereinigten Königreich, Indien, den Vereinigten Staaten, der Türkei, Brasilien, Ägypten, Palästina, Katalonien, dem Irak, Georgien, Russland, Finnland, Weißrussland, Estland, Lettland, dem Baskenland und vielen anderen Ländern, und bei einigen unserer Workshops und Camps waren auch Gruppen aus ganz Europa dabei.

Einige der Besucher sind alte Freunde, die uns auf unseren Reisen durch Europa treffen. Aandere brauchen Zeit, um etwas zu schreiben, während sie Zugang zu einer großen Bibliothek haben, die Stille in der Natur und die Konzentration, die auf dem Land möglich ist, nutzen und den einzigartigen Service einer Gruppe erfahrener Aktivisten-Akademiker in Anspruch nehmen können, die regelmäßig gesellige Treffen veranstalten und bereit sind, Kommentare zu Textentwürfen abzugeben.

Ich habe auch einen kleinen Fonds eingerichtet, der aus den Honoraren meiner externen Vorlesungen gespeist wird und der Aktivisten aus dem globalen Süden die Möglichkeit bietet, die Residenz zu nutzen. Die Irene-Residenz mit ihrer Bibliothek ist also eine Möglichkeit, mit der wir versuchen, unsere abgelegene Gemeinschaft zu einer Ressource und einem Treffpunkt für verschiedene Akteure des sozialen Wandels in der Welt zu machen.

Die NORNONS sind eine kleine Gruppe von skandinavischen Aktivisten und Akademikern, die sich mit gewaltfreiem Aktivismus beschäftigen und sich in den letzten vierzehn Jahren regelmäßig getroffen haben.

Gewaltfreier Widerstand

Wir konzentrieren uns auf die kritische Reflexion des gewaltfreien Widerstands, die unter Menschen möglich ist, die sich für eine langfristige Arbeit engagieren, wobei alle ein Grundwissen über gewaltfreien Aktivismus und Widerstandstheorie haben. Wir haben ein Klima der kritischen Reflexion gefördert, das sich auf die vorherrschenden Herausforderungen und Probleme konzentriert, wobei wir die vereinfachten, rhetorischen Versionen vermeiden, zu denen Organisatoren neigen, um ihren Kampf in den Medien darzustellen oder um neue Aktivisten zu rekrutieren.
Wir tun dies, weil wir eine kreative Entwicklung des Repertoires an Taktiken, Strategien und Verständnissen des gewaltfreien Aktivismus anstreben, indem wir sowohl seine Stärken als auch seine Schwächen erforschen und zeitgenössische Theorien und empirische Artikulationen untersuchen. Manchmal schreiben wir gemeinsam, aber meistens diskutieren wir einzelne Entwürfe oder Ideen sowie Schlüsseltexte, die wir von anderen gefunden haben.

Oft arbeiten wir über längere Zeiträume an bestimmten Themen, z. B. daran, wie sich gewaltfreier Widerstand zu “alltäglichem Widerstand”, “Opfer” oder “Mut” verhäl. Oder wie er effektiv mit nichtstaatlichem Terrorismus umgehen, Revolutionen herbeiführen, sich kreativ an die Kultur anpassen und sie verändern kann. Oder welche Rolle die Entwicklung von Alternativen und Visionen in Widerstandsbewegungen spielt.

Gelegentlich beantragen wir Zuschüsse für Forschungsprojekte oder Evaluierungen. Aber meistens verlassen wir uns auf unsere Einkünfte aus Jobs in der akademischen Welt oder der Zivilgesellschaft und lassen die Seminare von NORNONS in unsere regulären Jobs einfließen.

Viele unserer Diskussionen drehen sich um Herausforderungen, denen wir begegnen: problematische Trends innerhalb des Aktivismus, politische Themen, bei denen Aktivismus ineffektiv zu sein scheint, oder berufliche Dilemmas, bei denen wir nach Feedback von anderen suchen. Wir freuen uns über Gäste, Menschen mit speziellem Wissen oder Interessen, die unsere Ansichten erweitern können. Für mich war NORNONS absolut unverzichtbar, denn es hat mir ermöglicht, mich besser zu konzentrieren, regelmäßiger zu schreiben und einen Weg zu finden, aktivistische Anliegen und Probleme in mein akademisches Schreiben, Lehren und Organisieren einfließen zu lassen.

In gewisser Weise ist NORNONS das Herzstück der Irene-Community.

Wir sind eine kleine, aber engagierte Gruppe von Menschen, die sich als Schüler und Bewahrer einer langen Tradition des gewaltfreien Aktivismus verstehen und sich bemühen, sie zum Nutzen neuer Generationen und künftiger Kämpfe weiterzuentwickeln.

“fika”

Da wir in einer Art kleinem Dorf mit eigenen Häusern leben, in dem es fast keine Nachbarn gibt, führen wir ein Leben des Lesens, Nachdenkens und Schreibens, während wir uns für praktische Arbeiten an den Häusern oder im Garten, für “fika” (die schwedische Kultur, in der man in den Pausen gemeinsam Kaffee trinkt und ein paar Snacks zu sich nimmt), für regelmäßige Mahlzeiten oder einfach nur abends zum Reden und Weintrinken treffen oder gelegentlich einen Film ansehen.

Ich mache oft Spaziergänge im Wald oder am See. Manchmal gehe ich mit Liva, obwohl es sich eher so anfühlt, als würde sie mit mir spazieren gehen. Entweder zwingt sie mich zum Anhalten, wenn sie etwas zum Schnüffeln oder eine Wasserpfütze zum Wälzen gefunden hat, oder sie zwingt mich zum schnellen Gehen, wenn sie mich zu etwas Interessantem mitzieht.
Liva ist ein Teil der Gemeinschaft, und so halte ich es aus und genieße es, die Natur aus der Perspektive eines Hundes zu erkunden.

Im Herbst sammeln wir im Wald Beeren und Pilze. Zusammen mit den Früchten aus dem Garten machen wir Marmelade und andere Köstlichkeiten, die wir im Winter verzehren können.

Wann immer es möglich ist, versuche ich, mit meinem Kajak auf den großen See hinauszufahren. Das ist sehr entspannend, voller schöner Aussichten, Stille und dem gelegentlichen Zauber eines Sonnenaufgangs oder Sonnenuntergangs. Manchmal bin ich in der dunkelsten Nacht mit dem Kajak hinausgefahren, mit den Sternen über mir und dem völlig schwarzen Wasser unter mir, eingehüllt in die Stille. Es fühlt sich an, als wäre man in einer anderen Dimension. Und Kajakfahren ist auch eine großartige Übung. In diesem Frühjahr habe ich mich auch mehr als sonst um den Garten gekümmert, drei schöne Rosenstöcke gepflanzt, Kartoffeln, Karotten, Rote Beete, Salat, und bald werden auch zwei neue Obstbäume die Südwand meines Hauses bedecken.

Fröhliche Schlachten

Irene ist ein fantastischer Ort, mit faszinierenden Menschen und wichtigen Aktivitäten.
Allerdings ist er bedenklich klein und abgelegen, sowohl im Guten als auch im Schlechten (etwa drei Stunden Fahrt nach Göteborg und zwei Stunden nach Oslo).

Nur Majken und Jørgen wohnen ständig hier, alle anderen kommen und gehen für längere Zeiträume auf Reisen oder zur Arbeit. Für mich kann es manchmal ein halbes Jahr dauern, bis ich wieder hier bin. Unsere Hoffnung ist, dass in Zukunft noch mehr Menschen wie wir, engagierte aktivistische Akademiker, hierher ziehen und sich unserer Gemeinschaft gewaltfreier Prepper anschließen, die sich auf den kommenden Aufstand vorbereiten.
Wir haben in der Tat den Raum, um noch mehr unkonventionelle Menschen aufzunehmen, die wie wir denken. Die Irene-Community hat sich zum Ziel gesteckt, eine Zukunft voll fröhlicher Schlachten vorzubereiten.

Kommt zu uns und probiert es selbst aus!