mentale dekolonialisierung ohne praktische deindustrialisierung existiert nicht.
im grunde haben wir noch nicht einmal begonnen.
die urbane lebensweise und das teilnehmen an der verbürgerlichten moderne ist per se kolonial, sprich vergewaltigend.
es gibt keine linke, es gibt keine kunst, keine wissenschaft und keine organisation, die in irgendeiner weise positiv wirkt, solange sie nicht deindustrialisierung als voraussetzung für geistige dekolonialisierung begreift, genauso wie ohne die verwirklichung des männlichen in der frau, sowie des weiblichen im mann mensch nicht sein kann.
die flotilla kolonisiert, indem sie gutmenschlich die palästinenser retten, sie ‚füttern und wässern‘ will, wie es ghassan (Anm.: Abu-Sittah) so schön sagt.
der versuch auf die öffentliche meinung der moderne einzuwirken ist per se teil des bürgerlichen apparats und insofern systemstabilisierend.
es gibt keinen widerstand, ausser wir tun da, wo wir sind, alles, um die maschine zu stoppen (was zuallererst lediglich desertion sein kann, aus dem individualisierten überlebenskäfig der moderne, aus der trennung an sich, aus dem überleben), zuerst in mir, dann in der nachbarschaft gemeinsam… solange wir das individualisierte überleben nicht verlassen, aus dem technologisch ermöglichten traum-autismus nicht desertieren und sowohl wirkliches leben ohne geklaute energie, als auch geistige und soziale deprogrammierung in einem TUN, ist nichts von dem, was wir tun, etwas anderes als teilnahme an der aufrechterhaltung der alten raubritterordnung.
in der gegend rumzufliegen, um die welt zu retten, den glauben an das gute von schreibtisch oder bühne aus aufrechtzuerhalten – alles ausser umfassender desertion aus den bestehenden verhältnissen, sowohl mental als auch physisch, nur beides zusammen ist wirk-lich – ist komplizität, co-autorenschaft in der todesmaschine.
sowohl der die mentalen und sozialen strukturen nicht überwindende permakultur-fuzzi aufm land, als auch der elfenbeinturm-revolutionär am schreibtisch oder auf bühne, der sein leben auf der petroleumhungrigen alibispielwiese der bürgerlichen gesellschaft fristet – selbst wenn heroisch prekär – ist ein essenzielles rädchen im funktionieren der todesmaschine.
absonderung zur gemeinschaft, absonderung durch effektiv gemeinsames, in geist und körper, in maximaler entledigung von den elektroden im innen und aussen, ist das einzig wirklich andere.
es gibt keine halben sachen, gabs noch nie, jetzt erst recht nicht mehr.
all die jungen revoltierenden im stil der soulevements leben davon, leben es momenteweise, notre-dame-des-landes ist das recent ur-beispiel, aber da es sich immer noch auf ‚den kampf gegen‘ bezieht, zerfällt es nach ‚dem sieg‘.
auswilderung als das AllEine ritual, umfassend, stetig, unumkehrbar, langsam! – ist der einzige weg.
dekolonialisierung heisst wirklich zu begreifen – lebenderweise – dass schnelligkeit immer diebstahl bedeutet. ein flug zu einer dekolonialisierungskonferenz oder einem weltrettungseinsatz ist ein widerspruch in sich – auch wenn ich ihn wegdenke, er löst sich nicht auf. jeder applaus auf der bühne, und sei er für den herzzerreissendsten aufruf zur einheit des menschen, bedient unebenbürtigkeit, reproduziert anstatt aufzulösen. alle reformversuche sind selbstblenden, ein falsch aufgezäumtes pferd. um die jahrhunderte- wenn nicht jahrtausendealte galeere zu beenden, müssen wir im grundsätzlichsten von vorne anfangen, und das geht nur mit 3 5 7 in einem deindustrialisierten alltag.
am physisch kolonialen tropf dekolonisiert sich weder geist noch wesen. sich auf dem land zu verkriechen und an den blumen im eigenen garten zu riechen, dekolonialisiert nicht automatisch den geist.
der revolutionäre urbanit ist so halb wie der weltabgewandte aussteiger.
der gegen die welt anrennende aktivist ist genauso halb wie der sich ins nichts meditierende. alles sackgassen, bruchstücke und behinderungen – symptome der grundsätzlichsten selbstlüge des westlichen geistes, genannt aufklärung, die ob ihrer bequemen leckerheit inwischen die ganze welt infiziert hat. die ausklammerung des unbegreiflichen (auch gott genannt) war der beginn der selbsttäuschung, damals schon im kampf gegen das aufflackernde bewusstsein, dass eigentlich wir die barbaren sind. die beseitigung gottes war der kunstgriff, um weiter plündern und vergewaltigen zu können. aber wie jede selbstlüge – je länger ich sie überdehne, desto tödlicher wird sie.
auswilderung hilft.
lediglich wenn praktisch-materielle und ökonomische, mit rythmischer, geistiger und sozialer auswilderung einhergehen, wird mensch.
die deprogrammierung des haustieres ist ein holistischer prozess, es el camino que nunca deja de hacerse andando…
(Anm: „ist der Weg, der erst durch das Gehen entsteht“)
es gibt keine bürgerliche befreiung.
es gibt kein industrielles paradies,
es gibt keine nehmende liebe.
es gibt keinen ungekreuzigten jesus.
es gibt kein halbes draussen.
es gibt kein halbes ganz.
quien no cambia todo no camba nada.
(Anm: Wer nicht alles ändert, ändert gar nichts)
