Der Itzehoer Pneumologe, Umwelt- und Sozialmediziner, Spiegel-Bestsellerautor und ex-SPD-, nun dieBasis-Politiker Wolfgang Wodarg illustrierte in einem mehrstündigen Vortrag am 22. März 2025 seine Weltformel im wendländischen „Gildehaus“ in Lüchow.
Samthandschuhe
Die Corona-Pandemie war keine Naturkatastrophe. Die wilden Tiere aus dem Dschungel sind nicht schuld. Die Auslöschung Tausender wirtschaftlicher Existenzen ist keineswegs ein nicht abwendbarer Schaden ähnlich wie bei einem Erdbeben. Sondern, so Wodarg, das Ergebnis einer politischen Entscheidung.
Die Ausdünnung im Einzelhandel zugunsten globaler Versand-Unternehmen, der weitreichende Zusammenbruch im unteren bis mittleren Einkommensbereich und die gigantische Welle von Insolvenzen sind daher keine Folge der Infektionswelle. Sondern gewünschtes Ergebnis eines relativ zentral gesteuerten Prozesses zur Neuausrichtung der Wirtschaft.
Mehrmals zuvor waren bereits ähnliche Versuche unternommen worden. Sie hatten nicht zum Erfolg geführt. Doch die Lobby der Pharmaindustrie und andere Exponenten einer ökonomischen Kultur – man könnte sie „Kapitalismus ohne Samthandschuhe“ nennen – haben aus den gescheiterten Versuchen viel gelernt.
Wodarg erklärt bei seinem Vortrag anhand bereits laufender Projekte, wie die Abwärtsspirale in den kommenden Jahren weiter verlaufen könnte. Er stellt dem Konzepte entgegen, wie man den schädlichen Verlauf unterbrechen, sich dagegen auflehnen und eine bessere Welt erschaffen kann.
„Wenn die Birken blühen und der Löwenzahn“
Als ich unter dieser frühlingshaften Titelzeile fast auf den Tag genau vor fünf Jahren, am 13. April 2020 um 19:17 Uhr per Email den Link zu einem Videostatement von Wolfgang Wodarg versendete, ahnte ich noch nicht, dass ich am nächsten Morgen Haßobjekte für viele meiner Bekannten sein würde.
Der Vorgänger dieses Blogs war eine private Emailliste. In ihr kamen Adressen vor von Leuten, die zum sogenannten erweiterten Freundeskreis gehörten, oder, wie man später sagte: „einschlägig Interesse-Verdächtige“, von denen ich gedacht hatte, ihnen wäre an einem Austausch von Informationen etwas jenseits der im Frühling 2020 schon erfolgreich zum Nachsingen der Regierungsverlautbarungen vergatterten Medien gelegen.
Der Riss, der nach Versand der Mail durch meinen Bekanntenkreis lief, tat sich geräuschvoll auf: ich wurde der Billigung eines Massensterbens bezichtigt. Dabei schien mir mein Text gar nicht so spektakulär (er ist bis heute hier auf dem Blog nachzulesen). Ich hatte mich lediglich zu einigen Zweifeln aufgeschwungen:
„… ich zweifele bis zum Beweis des Gegenteils an, dass die 16 Ko-Autoren in diesem Text
(gemeint war: „Faked Pandemics – a threat for health, veröffentlich vom „Council of Europe/Parlamentary Assembly“) die Kerngruppe einer neofaschistoiden Bewegung sind, die unter das Tarnmäntelchen der EU gekrochen sind.
Andere Arbeitsthemen Wodargs lesen sich erst mal auch nicht wie typisch „rechte Verschwörer“-Gegenstände oder Fakten-Leugnerei. Es sei denn, der Kampf für Menschenrechte, gegen GMOs, PMCs (private military corporations), und kritische Aussagen zu Medien und Demokratie … würde heute – weil wirtschaftskritisch – als rechtsradikales Verschwörertum betrachtet.„
Soweit das Zitat aus dem fünf Jahre alten Text.
Noch in derselben Woche bot mir ein guter Freund und CCC-Aktivist an, einen Blog aufzusetzen, um mich persönlich aus der Schußlinie zu nehmen, auf dass die Hasstiraden mich nicht mehr unter der Gürtellinie träfen. Er bastelte ein Auffangkörbchen für Aggressionen: das mit einem Klick abschaltbare Kommentar-Fenster. Man würde sehen, was passiert. Wir alle hatten damals nur ansatzweise verstanden, wie es zu diesem Bruch innerhalb der linken Bewegung kam und dass wir Zeugen einer tiefgreifenden Spaltung waren, die subkutan schon zuvor bestanden haben musste, aber sich jetzt Bahn brach.
Rückblickend verstehen wir heute: Seit Wolfgang Wodarg versuchte, mit einigen Youtube-Videos – – ähnlich dem oben verlinkten – gegen die Produktion willfähriger Follower der staatlich verordneten Lockdown-Politik an zu argumentieren und den Bürgern dieses Landes die Angst zu nehmen, die ihren Verstand blockiert, gilt er als Staatsfeind Nummer 3: nach dem Initiator von „Querdenken“ und einem Mikrobiologen, der schon Anfang 2020 vor jenen Nebenwirkungen der Impfung warnte, die nun allenthalben rund um uns zu beobachten sind.
Alle drei werden von den berufenen Bewertern als „Verschwörungsunternehmer“ bezeichnet. Alle drei gelten bis heute als gemeingefährliche Verharmloser. Sie mussten sich sogar als Volkshetzer anklagen lassen. Sie wurden von den Fakten-Checkern und Fake-News-Verfolgern als Tatsachen-Verdreher geframt. Das Fatale am Framing ist, dass es allen im Kopf bleibt, auch wenn die Gerichte längst anders entschieden haben.
Diese Gefahr für Ruhe und Ordnung hatte wohl auch dazu geführt, dass eine unbekannte Organisation ihre musikalischen Kohorten in Karnevalsanzüge gesteckt und nach Lüchow entsendet hat, um vor den Toren des Gildehauses mit ungereimten Zeilen gegen die Meinungsfreiheit zu rappen.
Was aber ist wirklich los, wenn einige Stunden über Fragen diskutiert werden soll, die es tatsächlich längst sachlich – und nicht durch aufgeregt herausgestossene Verleumdungen – zu beantworten gälte?
Bunt ist nicht braun
Der Saal ist voll. Das bunte Wendland zeigt sich von seiner besten Seite: querbeet durch alle Altersgruppen und Bevölkerungsschichten. Schon vor Veranstaltungsbeginn wird über die Sitzreihen hinweg diskutiert, welcher staatlichen Beobachtungseinrichtung die jungen Leute angehören, die hinter Masken versteckt vor der Tür lauern und versuchen, die eintreffenden Gäste zu knipsen. Empörung ist zu vernehmen über den mittlerweile fünf Jahre anhaltenden Versuch, jede Art von Hinterfragung der Sinnfälligkeit staatlicher Entscheidungsprozesse als „rechtsradikal“ zu diffamieren.
Die Stimmung ist freundlich, offen, herzlich. Die Aufregung hält sich in Grenzen. Man will informiert werden.
Der Vortragende weiß das und hat sich für eine gute Mischung aus sarkastischem Humor und Folienvortrag entschieden. Mit prägnantem norddeutschen Akzent nimmt er gleich eingangs das Kernstück der „Konspiration“ (von lat. con-spiro: zusammen atmen, einmütig sein) aufs Korn: „Wenn Sie hier im Saal atmen, informieren Sie sich gegenseitig.“ Aus der Perspektive der Virologie verstanden: wir übertragen unser „Material“ auf andere und umgekehrt erhalten wir es von Dritten. Das Immunsystem stählt sich daran.
Es kann und soll nicht Ziel dieses Beitrages sein, den Abend, der tatsächlich die von Wodarg eingangs angedrohten fünf Stunden annähernd erreichte, in Gänze nachzuvollziehen.
Niemand sollte alles glauben, was er hier hören konnte. Denn nur wer viel selber denkt, lässt sich nicht einmachen.
Es geht auch gar nicht so sehr um epidemiologische Feinheiten und gewiss nicht um die Frage, wer auf diesem Feld voll komplexer Wechselwirkungen Recht hat. Wodarg formuliert verständlich „fürs Volk“ und nicht, um einen Wettbewerb gegen Fachkollegen zu gewinnen.
Sein Wunsch war unverkennbar: sichtbar zu machen, wie stark die Einflußnahme der Wirtschaft auf Politik und Wissenschaft ist. Wie wenig es dabei tatsächlich um unsere Gesundheit geht. Schließlich: wie stark die Steuerung der Prozesse von den Gaben der Industrie abhängt, die unmittelbar profitiert. Es geht um Lobbyismus, Korruption und Profitgier. Weniger um medizinische Details. Es geht um den Sinn der Angst und um die Spaltungs-Kampagne, die die letzten Jahre überschattet hat. Sie dient laut Wodarg vornehmlich dazu, all dem anti-demokratischen Tun ungestört weiter nachgehen zu können.
Abwärtsspirale
Wenn er die Impfung einen „gentechnischer Immunisierungsversuch“ nennt, erklärt er im unmittelbaren Anschluss nachvollziehbar, wie hierdurch neue Pharma-Märkte erschlossen werden.
Wenn Wodarg berichtet, dass die WHO, das Europäische Patentamt in München und sogar Interpol Privatunternehmen sind, die gut miteinander verschränkt eine Machtebene neben den Staaten bilden und wenn er ergänzt, dass Entscheidungen der NATO über die Reaktion auf einen angeblichen Notstand kein einziges Parlament passieren müssen, um verbindliche Wirkkraft zu erzielen, leuchtet dem Zuhörer sofort ein, was er meint, wenn er sie in Summe „Organe zur Organisation von Insidergeschäften“ nennt. Wir verstehen, welche Form von Groß-Kriminalität sich damit verbindet.
Wenn er berichtet, in welchem Umfang sich die Anti-Korruptions-NGO „Transparency“ aus Zuwendungen der von ihnen beoabachteten Unternehmen finanziert, oder wie künftig Krebs diagnostiziert werden soll, um ihn auszulösen, damit er behandlungswürdig wird, oder wie Nano-Substanzen an allen Körperschranken vorbei über die Nahrung in den Menschen gelangen und dort genetische Einstellungen ändern können, begreift der Zuhörer unmittelbar Zusammenhänge, die er zuvor vielleicht in dieser Deutlichkeit nie gesehen hat. Die beunruhigend sind. Die verstören, aber nicht verstören sollen. Es ist einfach, wie er schmunzelnd sagt: „Die Wodargsche Weltformel“, in der unterm Bruchstrich Größe, Komplexität und Transparenz die Wirkung der über dem Strich stehenden Resilienz bestimmen.
Wann und wie aber wird es nun wieder besser und vor allem: wodurch? Oder sind wir in der Abwärtsspirale hoffnungslos gefangen?
Wir sollen zuvorderst einmal nichts bedingungslos „glauben“. Wir können vieles bei Interesse und entsprechender Recherche nachlesen, wir können an bereits geschehene Eingriffe ins Leben denken und uns selber ein Bild machen, für wie wahrscheinlich wir das alles halten. Es ist vor allem aber ein Aufruf, nichts mehr ungeprüft hinzunehmen und skeptisch zu bleiben.
Handelt subsidiär !
Diesen Auftrag erfüllt der Zuhörer umso lieber, als er mit Humor – und mit Zorn erfolgt. Humor, Zorn und Auftrag, diese drei Haltungen übertragen sich unmittelbar in den Saal: das Schmunzeln über die Aufdeckung von Ungeheuerlichkeiten, das befreiende Lachen in einer an sich zur Verzweiflung geeigneten Weltlage und ein gelungen eingeflochtener Spaß alle paar Minuten, keine Spur dröger Belehrung, denn das Leben soll ja nicht zu einer Qual voller Vorschriften werden, sondern besser einzurichten sein; ein plötzlich aufbrausender Zorn, ohne den alles Gedachte, Geschriebene, Gesagte ohnehin fade bliebe, also ein Reden aus tief Empfundenem, aus menschlichem Engagement – es ist der gerechte Zorn, mit dem allein der Furor der Vernichtung aufzuhalten ist; und schließlich der selbst erteilte Auftrag, andere aufzuklären und ein Leben lang nicht zu ruhen, an Überzeugungen festzuhalten, wie stark der Wind uns auch entgegen bläst, und damit zu zeigen, dass man etwas ändern kann und etwas ändern muss.
Der Abend endet daher mit einem langen Kapitel über Dinge, die wir alle selber tun können, wenn wir etwas ändern, etwas verbessern oder auch nur das nach langen Kämpfen einmal Erreichte nicht vollständig verlieren wollen. Wenn uns die herrschenden Zustände langsam über den Kopf wachsen. Wenn sie nicht mehr unserer Vorstellung von Solidarität, Sozialität, von Gleichberechtigung und Gerechtigkeit entsprechen. Wodarg ermutigt anhand vieler Beispiele, subsidiär zu handeln, sich auf überschaubarer Ebene, in seinen Kreisen und Gemeinden, eigenverantwortlich und selbstorganisiert zu vernetzen und gegen das hierarchische Prinzip aufzustellen, von dem nur die Spitze der Pyramide profitiert. Wodarg bewegt sich dabei in gedanklichen und praktischen Umgebungen, die einst die Domäne der staatskritischen Linken waren. Er plädiert anhand bereits erfolgreicher Beispiele für eine Neuordnung des Gesundheitssystems. Er fasst dies in dem schönen Satz zusammen, mit dem einst die Abschaffung der Psychatrien und die Integration der Schwachen in die Gemeinschaft gefordert wurde:
„Ein Problem, das im Dschungel entstanden ist, kann nicht im Zoo repariert werden“.
Gegen Ende der Veranstaltung äußert Wodarg seine tiefe Skepsis, dass all die offenen Fragen rund um die Pandemie jemals auf Regierungsebene aufgearbeitet werden. Er berichtet von einer Statistik: „Wollen Sie eine Aufarbeitung?“
Nur 10% der befragten Akademiker sagen dazu: ja. Der Rest der Bevölkerung befürwortet dies zu 80%. Das spiegelt überdeutlich die Einsicht, dass „die Aufarbeitung nur stattfindet, wo das Unrecht passiert ist“: eben dort, wo bis heute die schlimmsten Folgen zu spüren sind, nicht dort, wo es ausgeübt wurde.
Insofern ist das Angebot der sechsköpfigen Veranstalter-Gruppe „Brücken reparieren“ rund um Mechthild und Jens Magerl (Castor-„Widersetzen“), nämlich Geimpfte und Ungeimpfte in einem Gesprächskreis zusammenzubringen, der wesentlich auf dem Zuhören, statt auf dem Verteufeln basiert, höchst erfreulich und sollte zahlreich in Anspruch genommen werden.
Anmeldungen zur Teilnahme an „Brücken reparieren. Das Trauma der Spaltung verstehen. Einladung zu einem Experiment“ in der Milonga Beseland am 27.3.25 sind unter info@jens-magerl.de möglich.