13. April 2020 19:17 Uhr Wenn die Birken blühen und der Löwenzahn

Anbei das zweite, neue Video von Herrn Wodarg.
https://www.youtube.com/watch?v=zAXBg3YkIsU&feature=youtu.be

Die Entwarnung gleich vorweg: es ist ein unaufgeregt vorgetragenes, durchweg wenig spektakuläres Werk, das wenig Belege liefert. Es ist aber aus anderem Grund interessant. Ich wollte eigentlich gar nicht in die lästige Debatte einsteigen, ob Wodarg ein „gemeingefährlicher Irrer“ ist oder nicht.

Aber der Mechanismus seiner Ächtung  interessiert mich schon – oder genauer: 
der Mechanismus der Ächtung aller Personen, die sich dem Dreigestirn aus Bundesregierung, Robert Koch Institut und Bill Gates kritisch entgegenstellen (Gates hier als Bündelbegriff für Hopkins Universität, WHO und M&B Gates Foundation). 

Hier gleich noch mal die Empfehlung – wer es verpasst hat: die Arte-Doku “Die WHO – Im Griff der Lobbyisten“ . Achtung: ist ungefährlich! Öffentlich-rechtlich!

Die Ächtungsfrage ist deswegen hoch interessant, weil immer mehr Leute geächtet werden: jetzt ist auch Streeck, der Autor der Heinsbergstudie, „dran“: 
https://www.sueddeutsche.de/wissen/heinsberg-studie-herdenimmunitaet-kritik-1.4873480

Wodarg jedenfalls ist für die Mainstreammedien seit seinem ersten Video der Staatsfeind No. 1: Mr. Verschwörungstheorie.
Wer ihn zitiert, ist „Sympathisant“.

Doch es kommt noch dicker. 
Wodarg, der Fakten-Leugner, so schreibt mir ein junger Wissenschaftler aus Brüssel, gehöre in die Szene der Querfront – diese steile These entspringt mE hauptsächlich der Tatsache, dass Wodargs erstes Video, wie man so schön doppeldeutig sagt, „viral gegangen” ist (mehr als 1 Million clicks) und dass beim Weiter-posten offenbar ziemlich viele Kanäle beteiligt waren, zu denen ganz sicher auch etliche Rechte gehören.

Ich will mich auch über die Brandmarkung zum „Querfrontler“ hier gar nicht weiter auslassen, als dass diese meist mit der These zusammen kommt, der Querfrontler x oder y sei ein „ausgewiesener Antisemit“. Und Antisemit ist ja heute jeder, der die Politik des Staates Israel kritisiert. Wenn in so einem Kontext der Begriff der Fakten-Leugner fällt, dann weiß man gleich: im Geist ein Holocaust-Leugner.

Diese ganze Stigmatisierungs-Kultur ist der Grund, warum ich mit dem, was ich hier schreibe, länger gezögert habe. Denn es gilt ja (seit 50 Jahren mindestens) das Kontaktverbot, das jedem älter als Jahrgang 75 noch erinnerlich sein dürfte im Zusammenhang mit dem bereits erwähnten Sympathisanten-Begriff.

Ich weiß, dass ich mich mit der Erwähnung Wodargs unbeliebt mache – vor allem bei gewissen Leuten, die offenbar lieber mit der Angst leben, dass Corona ein “brandgefährlicher Killervirus“ ist. Aber wenn man das Diktum vom Killervirus bestätigt, und sagt: ja, vielleicht ein ausgebüchster Laborvirus, dann wollen sie das auch wieder nicht hören und sagen, verschone mich mit deiner Scheiß Verschwörungstheorie.

Meine Theorie zu dieser Haltung: Ich denke, diese Leute tun das vielleicht, weil ihnen dann die Aktivitäten unserer Regierung hinnehmbarer, die Beschneidungen des Alltags plausibeler erscheinen.

Ich versuche, das Wirrwar von Argumenten und Gefühlen mal etwas aufzuräumen.

Die Argumente, die gegen Wodarg aufgefahren werden (zB im ZDF), klingen recht schwach: Wodarg sei „pensioniert“ (was ist das für ein Argument?), und „ehemaliger Arzt, kein Wissenschaftler“.
Und die Zahlen würden nicht stimmen.
Natürlich, die Zahlen, dagegen kann man nichts sagen. Zahlen lügen zwar nicht – können aber zum Lügen benutzt werden.

Ähnlich macht es Kathrin Zinkant, die Autorin des Streeck-Verrisses, auch: 
Herr Drosten habe gesagt, man könne Herrn Streeck gar nicht verstehen.
Zinkant, die nach eigenem Bekennen gern allgemein-Verständliches anschaut wie zB eine Sendung des Populärwissenschaftlers Sagan aus den 70ern, die jetzt von der Amazon-Tochter Twitch erneut gezeigt wird, fährt mit der Erwähnung von Drosten DIE Wissenschaftskeule auf. 
Wem das noch nicht genügt, sagt sie, dass unter der Regie von Kai Diekmanns Firma der Fortschritt der Studie bei Facebook und Twitter veröffentlicht wird.
Das ist natürlich ein dicker Hund! Wer Streecks Studie jetzt noch glaubt, ist wahrscheinlich unbelehrbarer Fakten-Leugner.

(Dass die Bundesregierung sich in Sachen Corona auf die nächsten 4 Jahre – sic! – von Scholz & Friends medial coachen lässt für 22 Millionen €, das findet offenbar niemand anrüchig)

Bei Wikipedia steht dann auch schon ganz unmissverständlich: “Streeck kritisierte die im Zusammenhang mit COVID-19 von der Exekutive erlassenen gefahrenabwehrenden Maßnahmen.“
Die Exekutive kritisieren! In Deutschland! Meine Herren, ein mutiger Virologe – aber das geht natürlich nicht!

Zurück zu Wodarg. Man muss gar nicht so viel glauben – man kann selber schauen. 
Über Wodarg lässt sich leicht Aussagekräftiges finden – frühere Forschungsarbeiten stehen zB zuhauf in der EU-Datenbank online. 
Er hat schon 2009, also vor 11 Jahren, damals als SPD-Bundestagsmitglied, zum Thema „faked“ Pandemie und Politik gearbeitet.
https://pace.coe.int/en/members/4199?lang=EN
Hört sich für mich erst mal so an, als sei das keine schlechte Voraussetzung, in der derzeitigen Situation als Experte zu gelten. 

Aber ich zweifele bis zum Beweis des Gegenteils an, dass die 16 Koautoren in diesem Text
http://www.assembly.coe.int/nw/xml/XRef/Xref-DocDetails-en.asp?FileID=12720
die Kerngruppe einer neofaschistoiden Bewegung sind, die unter das Tarnmäntelchen der EU gekrochen sind.

Andere Arbeitsthemen Wodargs lesen sich erst mal auch nicht wie typisch „rechte Verschwörer“-Gegenstände oder Fakten-Leugnerei.

Es sei denn, der Kampf für Menschenrechte, gegen GMOs, PMCs (private military corporations), und kritische Aussagen zu Medien und Demokratie (dies übrigens alles behandelt in „zertifizierten“, dh. vom EC Committee abgenommenen Berichten) würde heute alles – weil wirtschaftskritisch – als rechtsradikales Verschwörertum betrachtet.

Mir scheint, was Streeck und Wodarg verbindet, und was der Auslöser der Ächtungs-Attacken sein dürfte, ist gar nicht die Frage, ob es fahrlässig oder verharmlosend sei, was sie zum Virus sagen (also gar kein wissenschaftlicher Streit über die beste Strategie der Gesundheitssicherung) – sondern es ist die offen vorgetragene Kritik an staatlichen Maßnahmen, die sie zu „Verschwörern“ und „Leugnern” werden lässt.

Denn das ist zweifelsfrei: Bestritten wird von beiden, dass der Staat recht tut mit dem, was er gerade tut.

Stehen die beiden denn in Deutschland allein da?

Dazu ist mir gerade dieses Papier auf den Tisch gekommen, dass ich euch lesen lasse: PDF unten im Anhang
Thesenpapier zur Pandemie durch SARS-CoV-2/Covid-19

In dem Papier findet sich ein Satz, der wohl eine Garantie dafür sein dürfte, dass die Autoren das Wodarg/Streeck Schicksal ereilt:
“Soziale Ungleichheit und psychosoziale Implikationen: Auch wenn immer gesagt wird, “vor der Seuche sind alle gleich”, ist davon nicht auszugehen. 
Weder die ökonomischen Lasten (Verdienstausfall) noch die psychosozialen Einschränkungen (faktische Ausgangssperre für Familien in kleinen Wohnungen vs. Einfamilienhaus mit Garten, Problematik der innerfamiliären Gewalt etc.) oder die Fähigkeit, die Kinder über einen längeren Zeitraum selbst zu unterrichten (bildungsferne vs. bildungsorientierte Familien) sind gleich verteilt.

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