Ein gänzlich abgesondert in den südlichen Bergen lebendes „Einzelting“, ein Mutagen-T, sendete mir heute morgen einen Weckruf:
einen „unredigierten rant aus der auswilderungsstation im morgengrauen des 17. tages des irankrieges 26, nach einem kommunikativen sonntag, an dem die virtuell vermittelte kommunikation mit freunden um berlin, einer freundin im libanon, und live mit einer auswildernden katholischen nonne ein paar kilometer weiter, sowie abends noch dem medial konsumierten CALL FOR REVOLUTIONARY INTELLECTUAL ALIGNMENT *** meinen geist angerührt haben.„
Darunter die Frage: „Und jetzt?“
Meine Antwort: „Bonjour! Ja, gute Frage. Wir haben gestern auf der Rückreise von Frankreich nach Deutschland über hunderte von Kilometern darüber diskutiert. Mir fällt schon lange für meinen Blog nichts mehr ein. Jedenfalls nichts nur annähernd so Schönes wie das, was du mir soeben gesendet hast. Dass ich zunehmend verstumme, hat hoffentlich nicht so sehr mit fehlender geistiger Beweglichkeit, sondern mit Erschöpfung angesichts der scheinbar ergebnislosen Wiederholung seit Jahren zu tun. Das bisschen, das wir einst erreicht hatten in den siebziger achtziger neunziger Jahren, wird ja heute bei weitem unterboten.
Rückwärts gedreht oder die Spirale hinabgefahren. Es gäbe viele Bilder, die ich dennoch alle gern vermeiden möchte, weil sie sämtlich defätistisch sind.
Ein neues Betätigungsfeld, das wir seit langem suchen, hat sich noch nicht aufgetan.
Vielleicht sind wir ja auch schon klammheimlich systemstabilisierend?
Aus dieser Befürchtung heraus habe ich die aktive Schreib-Arbeit weitgehend eingestellt.
Aber der Schwung deines Textes hat mich mitgerissen.
Als vereinzelt sich fühlender Denküberlebender – umgeben von lauter Leuten, die gern alles vermeiden, alles ausblenden würden, was sich außerhalb der Sphäre befindet, die sie unmittelbar kontrollieren, beeinflussen, ändern oder sich zupaß schneiden können und daher vollständig stagnieren bzw. jede minimale Denkbewegung als „agitiert“ begreifen – braucht man gelegentlich Impulse von aussen wie deinen.“
Der Mutagen-t daraufhin: „die erschöpfung kenn ich gut und das einzige, was mich immer wieder noch rettet, ist ‚wenn die nacht am dunkelsten, ist das morgengrauen am nächsten‘ …die frage, was noch was bringt, ins netz zu kanalisieren, ist für mich auch nicht wirklich zu beantworten, es geht mir ähnlich, und wenn ich die ganzen blogger sehe, die sich an ihrem eigenen sermon aufrichten, ist klar, dass es das nicht sein kann.
revolutionär geht nicht mehr.
alles verbrannt.
macht mich an die lost children von tikkun denken.
alles neu zu finden.
???!!
wenn wir nicht permanent gemeinsam tanzen und heulen und lachen, werden wir immer schwächer.
das ausgesprochene beten des empire funeral chant ist unverzichtbar, um das desertions-mycel werden zu lassen, die auswilderungsrouten mit funktionalem code zu versehen. wir müssen es im angesicht sprechen können, um es werden zu lassen.
wir können die unsichtbare partei nicht bauen. aber wir können auch nicht warten.
also, zu deiner frage: natürlich gerne auf die aktion…“
Und dort ist es jetzt zu lesen als Nummer 58: Im Morgengrauen
— Anm: (*** siehe das 100-Minuten-Video auf Adnan Husains Youtube-Kanal, in dem der britisch-palestinensische Chirurg Ghassan Abu-Sittah zu Gast ist)

hey, schön zu lesen von Dir.
systemstabilisierend? ach was!
das system zerbricht, löst sich auf, geht aufs ende zu.
machs gut, freund.
wir leben.